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am 17. September

Bürgerliste stimmt gegen Umbenennung des Makartstegs

Markus Grüner-Musil - Es ist eine Ehre für Salzburg, dass ein öffentlicher Ort nach Marko Feingold benannt werden kann, nicht umgekehrt! Seine Würdigung kann nur im Einvernehmen mit dem jüdischen Leben in Salzburg passieren.

 Der im letzten Jahr verstorbene Holocaust-Überlebende hat sein Leben dem Kampf gegen den Antisemitismus gewidmet, dem Antisemitismus in Vergangenheit und Gegenwart.

Die Mehrheit im Gemeinderat der Stadt Salzburg für die Neubenennung des Makartstegs ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die diese Auseinandersetzung führen, wurde die Entscheidung doch ohne die ausdrückliche Zustimmung der israelitischen Kultusgemeinde getroffen.

Bgm. Preuner (ÖVP) hat im Gemeinderat am 16.9.2020 die Umbenennung des Makartstegs durchgesetzt. Unterstützung dafür fand er nicht nur bei FPÖ und Liste Salz, auch NEOS und vor allem die SPÖ haben sich dem Diktat des Bürgermeisters gebeugt.

 

Die Bürgerliste hat gegen diese Umbenennung gestimmt. Grund dafür ist, dass Hanna Feingold, Witwe von Marko Feingold und Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde, schon im Juli den Wunsch geäußert hat, eine Umbenennung mit Postanschrift für den Holocaust Überlebenden zu erwirken. Diese Voraussetzung erfüllt eine Brücke nicht.

Die Forderung der Bürgerliste, eine Lösung im eindeutigen Einverständnis mit Hanna Feingold zu suchen, hat bei Preuner kein Gehör gefunden. Er war bereit, um jeden Preis seine Idee des Makartstegs umzusetzen, trotz aller Bedenken.

 

Preuner sieht in Feingold vor allem einen Brückenbauer, er selbst war es in dieser Sache jedoch nicht. „Um Brückenbauer zu sein, hätten Preuner und letztlich auch der Kulturressortchef Bernhard Auinger (SPÖ) - ganz im Sinne von Marko Feingold -  Beharrlichkeit, Unvoreingenommenheit, Kommunikationsfähigkeit und Empathie beweisen müssen. Diese Fähigkeiten haben sie nicht gezeigt“, sagt Markus Grüner-Musil, Kultursprecher der Bürgerliste/DIE GRÜNEN, der im Juli 2020 den Antrag einbrachte, im Einvernehmen mit Hannah Feingold eine passende Straße für ihren verstorbenen Mann zu finden.

 

Somit wird nach Max Reinhard und Stefan Zweig auch Marko Feingold keine Anschrift mit Postadresse in Salzburg haben. Die Auseinandersetzung mit dem Lebensthema von Marko Feingold, dem Antisemitismus, wird aber bleiben, auch wenn diese Namensgebung nun entschieden ist. Für Jahresanfang 2021 erwarten wir den Historiker-Bericht zu nationalsozialistischen Straßennamen in der Stadt Salzburg – mit klaren Vorschlägen für Umbenennungen! Dabei wird es sicher nicht mit ein paar Erklärungstafeln getan sein. „Der Antisemitismus in Salzburg lässt sich nicht unter den Teppich kehren, die Auseinandersetzung werden wir Preuner und Auinger nicht ersparen, wir erwarten keine Lippenbekenntnisse sondern Taten“, stellt Grüner-Musil anschließend klar.