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am 11. Juni

Neue Chance für das offene Kreativzentrum Rauchmühle

Markus Grüner-Musil - Proberäume und Werkstätten könnten nun gemietet werden.


Nur neun Tage nach der Angelobung des neuen Gemeinderats sorgte eine Entscheidung von Bürgermeister Preuner für großen Ärger in Salzburgs Kultur- und Kreativszene: Mit einem Federstrich wurde der Ankauf und der Ausbau der Rauchmühle in Salzburg Lehen „aufgrund höherer Kosten“ abgesagt. Die Vorbereitungen und Planungen für das wichtigste kulturpolitische Vorhaben der letzten Jahre waren scheinbar umsonst.

Nun zeigt sich aber eine neue Perspektive für 44 Theater- und Tanztheaterkompanien, das Kreativzentrum Rauchmühle ist noch nicht vom Tisch. Die Eigentümer (Familie Rauch und Prisma Immobilien) könnten nun bereit sein, wesentliche Teile des Kreativzentrums selbst zu errichten, um diese dann langfristig an die Stadt zu vermieten. „Eine Anmietung wäre aus der Sicht der Bürgerliste/DIE GRÜNEN zwar nicht die bevorzugte, aber doch eine gute Lösung. Denn kein Haus ist keine Alternative“, stellt Kultursprecher Markus Grüner-Musil klar.

Linz zeigt bei der Umsetzung der neuen Tabakfabrik, welches Potential solch ein Projekt für eine Stadt haben kann. Mit dem Kauf der Linzer Tabakfabrik hat die öffentliche Hand eine Investition in die Zukunft getätigt. Die Spekulationsspirale wurde durchbrochen und ein ganzer Stadtteil für die Gesellschaft nutzbar gemacht. In Linz werden aber nicht nur KünstlerInnen, KulturarbeiterInnen und Kreativwirtschaftende die Tabakfabrik besiedeln - auch sozial Tätige, Wirtschafts- und Gewerbetreibende, HandwerkerInnen und im Bildungs- und Wissenschaftsbereich Beschäftigte ziehen ein.

„Am Beispiel der Tabakfabrik in Linz zeigt sich, was politische Verantwortung in einer Landeshauptstadt heißt:  Rahmenbedingungen für neue Formen der Zusammenarbeit und des Zusammenlebens zu schaffen“, so Grüner-Musil.


Hat die ÖVP den Ankauf verzögert, bis eine Absage begründbar wurde?


Eine vergleichbare Vision für Salzburg und den Stadtteil Lehen hat der Bürgermeister verhindert. Die neue Kalkulation zum Ankauf und Umbau der Rauchmühle war für Harry Preuner offensichtlich die erste und einfachste Gelegenheit, sich von diesem Projekt zu verabschieden. Rückblickend ist klar: Das Kreativzentrum Rauchmühle hat von Anfang wenig Unterstützung durch die ÖVP erfahren. Nicht zuletzt die von der ÖVP geforderten Adaptionen des Konzeptes haben zu den höher kalkulierten Kosten geführt.

„Der Bürgermeister selbst trägt Mitverantwortung für die gestiegenen Kosten, fallen doch alleine durch die Verzögerungen des Baubeginns 1,2 Millionen Euro an Mehrkosten an“, so Markus Grüner-Musil. Wir erinnern uns: Im April 2018 hat der Gemeinderat den Ankauf der Rauchmühle um 4 Millionen Euro beschlossen, der Beschluss wurde vom Bürgermeister jedoch nicht umgesetzt. Im Oktober 2018 wurde ein Amtsbericht angefertigt, der vom Bürgermeister zurückgehalten wurde. Darin werden die baulichen Adaptionen hinsichtlich der unterschiedlichen Nutzungen detailliert ausgeführt.

In beiden Fällen hat Bürgermeister Preuner nicht das Heft des Handelns in die Hand genommen sondern zugewartet. Zugewartet, bis die Eigentümer eine Deadline für den Ankauf gesetzt haben; zugewartet, bis die Mehrheitsverhältnisse im neuen Salzburger Gemeinderat der ÖVP alle politischen Optionen eröffnet haben.


Bürgerliste wird die Rauchmühle nicht aufgeben


Nun gilt es also von diesem zukunftsträchtigen Konzept in einem einzigartigen Gebäude so viel zu retten, wie möglich. Das Problem der fehlenden Proberäume und Werkstätten ist spätestens seit dem überarbeiteten Kulturleitbild II 2014 höchste kulturpolitische Priorität. Wesentlich wird dabei sein, dass die Mietkonditionen für die Kulturschaffenden auch in dieser neuen Form leistbar bleiben. Räume anzumieten erhöht natürlich laufende Kosten und schlägt sich langfristig auch in den Kulturetats nieder. Vizebürgermeister Bernhard Auinger war seit der Absage des Projektes durch den Bürgermeister sehr zurückhaltend. Nun wird sein Verhandlungsgeschick gefragt sein, um mit den Eigentümern eine alternative Nutzung der alten Rauchmühle zu erreichen. Ebenso wird mit Interesse zu verfolgen sein, ob die bereits getätigten hohen Planungskosten von der privaten Betreiberfirma abgelöst werden. Das Konzept wurde von der Stadt buchstäblich bis zu den Steckdosen durchgeplant.

„Die Bürgerliste/DIE GRÜNEN werden weiterhin um das Kreativzentrum Rauchmühle kämpfen, damit eine engstirnige und kompromisslose ÖVP diese einzigartige Chance für Salzburg nicht zerstört“, erklärt Markus Grüner-Musil, Kultursprecher der Bürgerliste/DIE GRÜNEN, abschließend.


(11.6.2019)