gruene.at
Navigation:
am 22. Oktober

Crowded City statt Lonely Planet

Markus Grüner-Musil - Bgm. Harald Preuner und TSG Chef Brugger freuen sich über die Nummer 1 im Reiseführer „Lonely Planet“, sind aber im Umgang mit dem Massentourismus hilflos.

Erst die aktuellen Rekordzahlen zum Tourismus der Stadt, nun die Auszeichnung als Top-City-Destination im Reiseführer „Lonely Planet“: Das Wachstum um jeden Preis geht weiter. Trotz Warnungen von vielen Seiten, dass der Tourismus die Stadt und seine Bevölkerung überfordert, halten Bgm. Harald Preuner und sein Tourismus Chef Bert Brugger am Prinzip des ständigen Wachstums fest. Die Lebensqualität für die Bevölkerung nimmt weiter ab.

 

Bürgermeister Preuner und Tourismus-Chef Brugger versuchen, den Qualitätstourismus in Salzburg zu verbessern. Dazu erhoffen sie sich durch die Auszeichnung von Lonely Planet eine längere Aufenthaltsdauer und mehr Nächtigungen. Doch Salzburg ist schon lange nicht mehr ein „Lonely Planet“ sondern viel mehr eine „Crowded City“. Für die Bürgerinnen der Stadt hat der Massentourismus das erträgliche Maß überschritten. Der Wunsch nach einer Kehrtwende wird lauter, doch diese Rufe bleiben bei den Verantwortlichen ungehört.

Tatsächlich sind der Bürgermeister, der seit 15 Jahren (seit 2004) für den Tourismus in der Stadt verantwortlich ist, und sein Tourismuschef offensichtlich mit den geänderten Anforderungen überfordert. Tourismus-Geschäftsführer Bert Brugger hat zuletzt mehrfach in Interviews gesagt, eine Begrenzung und Steuerung des Tourismus in der Stadt sei nicht möglich. Die Salzburgerinnen müssten einfach lernen, damit umzugehen. Diese Haltung ist für die Bürgerliste/DIE GRÜNEN nicht akzeptabel.

Auch bei dem heutigen Pressegespräch sagte Preuner, dass Zugangsbeschränkungen für ihn „nicht in Frage kommen“. Bert Brugger musste unumschränkt zugeben: „Wir kennen die Lösungen nicht.“ Auch das Thema Reisegruppen und Bustourist*innen sieht Brugger nicht als zentrales Problem. Lediglich an Regentagen im Sommer und zu Spitzen im Advent würde Salzburg an seine Grenzen stoßen. Daher plant Brugger auch für das kommende Jahr, den Shuttle-Dienst für Tagestourist*innen nicht weiter auszubauen. Lediglich im Juli und im August werden von der Messe aus Busse Tourist*innen in die Stadt bringen.

 

Ob ein Reiseführer wie „Lonely Planet“ tatsächlich den Qualitätstourismus befördert und den Festspielen eine höhere Auslastung ermöglicht, bleibt dahingestellt. Tatsache ist: Salzburg ist keine saisonale Destination mehr, sondern ganzjährig dem Anstrom des Massentourismus ausgeliefert.

 

Salzburg braucht ein wesentlich zukunftsfähigeres Tourismusleitbild, in dem nicht nur oberflächlich an der Neuausrichtung der Tourismusbranche in der Stadt gearbeitet wird. Mit den handelnden Personen scheint so ein Kurswechsel aber unmöglich.

Das liegt sicher auch daran, dass der Chef der Tourismusgesellschaft vorwiegend mit der Vermarktung der Stadt als Tourismusdestination beauftragt ist und in den letzten zwei Jahrzehnten stets für Wachstum und Steigerung von Auslastungen und Besucherzahlen sorgen musste.

"Der längst überfällige Kurswechsel kann daher nicht nur aus der TSG kommen, sondern braucht eine starke politische Führung. Der ressortzuständige Bürgermeister Harald Preuner ist hier aber unwillig und überfordert", meint der Tourismussprecher der Bürgerliste/DIE GRÜNEN, Markus Grüner-Musil. "Es fehlt an der Bereitschaft, das alte System kritisch zu hinterfragen."

 

Wertschöpfung ist mehr als nur satte Gewinne, mehr auch als steuerliches Einkommen für die Stadt. Wertschöpfung bedeutet umfassend zu beurteilen, welche Auswirkungen der Tourismus auf den Lebensraum hat. Dazu müssten die Verantwortlichen wesentlich umfangreichere Kriterien anlegen, als nur Wachstum und Auslastung.

Um nur einige Beispiele zu nennen: Welche Auswirkungen hat die touristische Nutzung auf den städtischen Wohnraum und auf den öffentlichen Raum? Wie wird mit den natürlichen Ressourcen umgegangen? Welchen Stellenwert haben regionale Produkte und regionale Produzentinnen? Wie kurz oder lang sind die Transportwege? Wie sind die Arbeitsbedingungen im regionalen Tourismus? Wie sollen wir ungezügelte Steigerungen bei den Auslastungen mit zu wenig und zu schlecht bezahltem Personal bewältigen? Und nicht zuletzt: Welche ökologischen Auswirkungen hat das Bedienen von stetig wachsender Nachfrage, wie viel Müll entsteht alleine durch die rund 6,5, Mio Tagesgäste?

Der Massentourismus überfordert den städtischen Verkehr (die Anreise mit der Bahn spielt zur Zeit eine sehr untergeordnete Rolle), er überfordert die natürlichen Ressourcen und den Arbeitsmarkt. Er überfordert die Menschen die in Salzburg leben und arbeiten und er sinnentleert den eigentlichen Anlass der touristischen Aufmerksamkeit, die als Weltkulturerbe deklarierte Salzburger Altstadt. Die Antworten auf diese Fragen und noch viele mehr müssen in Zukunft Leitlinien für den Tourismus sein, gleichberechtigt in ihrer Relevanz mit der finanziellen Wertschöpfung.

 

„Die Bürgerliste/DIE GRÜNEN und mit uns sehr viele Menschen in der Stadt Salzburg erwarten einen raschen Kurswechsel, der eine Balance zum Ziel hat, in dem Lebensraum, Arbeitsraum, Kulturraum und die touristische Verwertung in einem vernünftigen Maß gegenüber stehen“, so Markus Grüner-Musil abschließend.