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am 28. Juli

Erst ausbilden, dann abschieben? - Bürgerliste fordert menschliche Lösung, die zugleich wirtschaftlich vernünftig ist!

Anna Schiester - Asylwerbende mit Lehrabschluss sollen Rot-Weiß-Karte in Österreich beantragen können

Seit November 2019 gilt: Flüchtlinge, die in Österreich eine Lehre absolvieren, dürfen bis zu ihrem Abschluss in Österreich bleiben. Sozialminister Rudi Anschober startete nun einen erneuten Anlauf, dass Asylwerber, die jetzt ihre Lehre in Österreich abschließen, nicht abgeschoben werden – die ÖVP blockt allerdings ab. Sie besteht darauf, dass Asylwerber mit negativem Bescheid trotz abgeschlossener Lehre das Land verlassen müssen. „Im Gegensatz zu Integrationsministerin Susanne Raab, halte ich das für alles andere als gerecht und auch nicht für vernünftig“, betont Bürgerlisten-Gemeinderätin Anna Schiester, Vorsitzende des Sozialausschusses, am Sonntag und plädiert für eine pragmatische Lösung, wie sie auch Anschober bereits vorgeschlagen hatte: Asylwerbende mit Lehrabschluss sollen die Rot-Weiß-Rot-Card auch von Österreich aus beantragen können. In Salzburg wären rund 90 Asylwerbende betroffen.

 

Wir sprechen hier von jungen Menschen, die in Österreich Schutz und Perspektiven suchten, und gesetzeskonform als Lehrlinge in Mangelberufen angestellt wurden. Die jungen Menschen haben ihre Arbeitskraft in Berufen eingebracht, für die wir zu wenige österreichische Interessenten haben, Steuern bezahlt und in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt. Wenn die ÖVP ihren bekannten Slogan 'Leistung muss sich wieder lohnen' ernst meint, dann muss das auch für diese jungen Menschen gelten, die sich durch eine hohe Leistungsbereitschaft auszeichnen“, so Schiester. Sie hofft auf die Unterstützung der Wirtschaftskammer, von der es in der Vergangenheit bereits positive Signale in diese Richtung gab. Immerhin sind rund 50 Prozent aller betroffenen Lehrlinge in der Gastronomie beschäftigt, also in einer Branche, die überdurchschnittlich stark vom Fachkräftemangel betroffen. Ebenso betroffen sind z.B. der Handel und die Pflege.

 

Nach der derzeitigen Regelung bleibt den Asylwerbern nach abgeschlossener Lehre nur die Ausreise ins Heimatland, aus dem sie geflüchtet sind. Von dort aus können sie dann einen Antrag auf Erlangung der Rot-Weiß-Rot-Karte stellen, die ihnen erlaubt in Österreich zu arbeiten: „Das ist ein enormer Aufwand, kostet viel und ist in vielen Fällen sehr gefährlichen. Gehen wir einen vernünftigeren Weg, von dem wir alle profitieren: Ermöglichen wir den ausgebildeten Menschen die Antragstellung in Österreich und lassen wir sie bei uns arbeiten“, schlägt Gemeinderätin Schiester vor.