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am 12. November

Neue Aufnahmekriterien für städtische Seniorenwohnhäuser: Viele offene Fragen

Anna Schiester - Stadt plant generellen Ausschluss von Menschen mit bestimmten Diagnosen. „Die Bürgerliste wird dem Amtsvorschlag in der jetzigen Form nicht zustimmen.“

Im heutigen Sozial- und Wohnungsausschuss haben die Mitglieder über einen Amtsbericht der Sozialabteilung beraten, mit dem die Kriterien für die Aufnahme in die städtischen Senior*innenwohnhäuser geändert werden sollen. Unter anderem soll das Aufnahmealter von 60 auf 65 angehoben werden und Menschen mit bestimmten Diagnosen sollen in Zukunft „generell von einer Aufnahme ausgenommen“ werden, darunter solche „mit herausfordernden und verhaltensauffälligen psychiatrischen Krankheitsbildern mit erhöhtem Aggressionsverhalten sowie akuter Fremdgefährdung“.

 

Kritik daran übt die Vorsitzende des Sozialausschusses, GRin Anna Schiester: „Mir ist bewusst, dass Menschen mit gewissen Krankheitsbildern für die Pflege eine große Herausforderung darstellen. Diese Menschen aber einfach von einer Aufnahme in die städtischen Häuser anzuschließen, ist ein diskriminierender und stigmatisierender Ansatz, den ich nicht gutheißen kann.“ Über den Amtsbericht wurde heute noch nicht abgestimmt, die ÖVP hat Klubberatungen beantragt. Schiester kündigt an, dem Amtsbericht in der jetzigen Form nicht zustimmen zu wollen.

 

Mehr Hilfe statt Ausschluss

Aus ihrer Sicht sind die vorgeschlagenen Kriterien teilweise diffus bzw. beliebig. „Eine Diagnose ist nicht gleich der Mensch, manche Menschen mit bestimmten psychischen Erkrankungen können sehr gut betreut werden. Ich würde mir hier einen weniger diskriminierenden Umgang und mehr Hilfe statt eines generellen Ausschlusses wünschen“, so Schiester. Wenn Menschen aufgrund einer psychiatrischen Erkrankung sich oder andere gefährden, so ist eine Einweisung in eine Klinik zu prüfen. Wenn die Voraussetzungen nicht vorliegen, wäre eine Ausschluss eine ungerechtfertigte Diskriminierung und damit menschenrechtwidrig. 

 

Mangelnde Einbindung von externen Expert*innen

Außerdem vermisst die Gemeinderätin die Einbindung von externen Expert*innen bei der Erstellung der neuen Aufnahmekriterien: „In den Prozess war weder eine Psychologin noch ein Psychiater eingebunden“. Ebenso wenig eingebunden waren die privaten Seniorenheim-Träger wie Diakonie, Rotes Kreuz etc. sowie die Erwachsenenvertretung.

Positiv sieht Schiester den Vorschlag eines „Vier-Säulen-Einstufungsmodells“, um eine bessere Durchmischung von Senior*innen mit unterschiedlichem Pflege- und Betreuungsaufwand in den Wohngemeinschaften zu erzielen und so die Pflege zu entlasten.

 

Runder Tisch soll gemeinsame Lösungen finden

„Ich habe heute im Ausschuss den Eindruck gewonnen, dass wir eine breitere Debatte darüber brauchen, was ein Senior*innenwohnhaus leisten kann und was nicht. Das ist mit einem Amtsbericht nicht getan“, so Schiester. Darüber, ob und welche zusätzlichen (gerontopsychiatrischen) Angebote es in der Stadt Salzburg braucht, soll demnächst ein Runder Tisch zwischen Stadt und Land unter der Leitung von LH-Stv. Heinrich Schellhorn stattfinden, kündigt Schiester an.